Resilienz: Den Raum zwischen Reiz und Reaktion nutzen 


 

"Zwischen Reiz und Reaktion gibt es einen Raum", sagte Viktor Frankl. In diesem Raum liegt die Freiheit, selbst zu wählen, wie wir auf äußere Umstände reagieren. Oft vergessen wir, dass wir in diesem Raum die Möglichkeit haben, uns für unsere eigenen Bedürfnisse stark zu machen. Der Psychotherapeut Eugene Gendlin spricht in seiner Methode der "Parteilichkeit" davon, sich selbst nicht aus den Augen zu verlieren, während man für andere sorgt.

 

Als Beraterin beobachte ich oft, dass Menschen sich zu sehr auf das Außen konzentrieren – wie geht es den anderen, was erwarten sie von mir? Dabei verlieren sie sich selbst aus dem Blick. Es macht Sinn und auch Freude, anderen zu helfen, doch was passiert mit den eigenen Bedürfnissen? Welche Ansprüche stellen wir an uns selbst? Oft hindern uns tief verankerte Glaubenssätze daran, Raum für uns einzunehmen. Ein häufiger Glaubenssatz lautet: „Ich darf keinen Raum einnehmen. Ich muss immer gerecht gegenüber meinen Klient:innen, Kindern, Partnern oder Eltern sein.“

 

In meiner Praxis arbeite ich mit Übungen, die helfen, inneren Raum zu schaffen. Eine Übung, die ich gern empfehle, ist die Stressreflexion: Stell dir Stress als greifbare Form vor – welchen Titel würdest du ihr geben? Welche Form hat sie? Aus welchem Material besteht sie? Wo befindet sie sich im Raum – vor, hinter oder neben dir? Dann kannst du ihn „zoomen“: größer oder kleiner machen, bis er schließlich angenehmer und erträglicher wird. Indem wir uns Stress auf diese Weise bewusst machen, können wir ihn Schritt für Schritt so verändern, dass er weniger belastend wirkt.

 

Eine weitere Methode, um Resilienz zu stärken, ist das Reframing. Gedanken, die uns nachts wachhalten, können wir aufschreiben und symbolisch „in einen Sack malen“ – stellen wir diesen Sack dann gedanklich vor die Tür, gewinnen wir Abstand und Klarheit.

 

Resilienz bedeutet auch, sich regelmäßig zu fragen: Wo passe ich schon gut auf mich auf? Welche kleinen Momente der Selbstfürsorge finden in meinem Alltag statt? Indem wir uns diese Fragen stellen, schaffen wir eine Feedback-Schleife, die uns stärkt und Raum für uns selbst öffnet.

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